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Ratgeber über Gartenarbeit und Gartengestaltung

Ast abschneiden: Tipps zum richtigen Obstbaumschnitt

In einem gut angelegten Garten ist das ganze Jahr über etwas zu tun. Ihre Gartenarbeit beginnt bereits im Januar bei Tauwetter. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Schnittarbeiten bei Kernobst, wie zum Beispiel Quitte, Birne und Apfel. Warum Sie manchmal überhaupt einen Ast abschneiden müssen und wie Sie dabei vorgehen, zeigt dieser Artikel:

Obstgehölze pflanzen

Frischer und gesünder geht es nicht. Gibt es etwas Schöneres als einen Baum mit leuchtend roten Kirschen, die zum Essen einladen oder frisch geerntete Vitaminspender, wie Äpfel oder Birnen? Selbst gepflanztes Obst lässt Ihr Gärtnerherz ganz bestimmt höher schlagen. Ist die Ernte gut, können Sie das Obst zu Saft und Konfitüre verarbeiten und sich einen Wintervorrat anlegen.

Bevor Sie jedoch Ihre Bäume pflegen und die Früchte ernten können, müssen Sie die Obstgehölze erst pflanzen. Dabei spielen regionale Einflüsse und das Mikroklima eine große Rolle. Zusätzlich müssen Sie die Lage, das Grundwasser, den Windschutz und die Bodenbeschaffenheit berücksichtigen.

Auf einem Südhang gedeihen beispielsweise Kirschen und Pfirsiche sehr gut, für Äpfel und Birnen hingegen ist der Südhang meist zu trocken. Auf Nordhängen pflanzen Sie spezielle Obstsorten, die mit den eher rauen Bedingungen gut zurechtkommen. In Regionen mit starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht brauchen Ihre Obstbäume einen Kalkanstrich, damit die Bäume keine Frostrisse bekommen.

Obstbäume schneiden

Obstbäume mit Topfballen können Sie ganzjährig, außer bei Bodenfrost, pflanzen. Wurzelnackte Bäume pflanzen Sie im Frühling und Herbst. Beim Pflanzschnitt kürzen Sie zu lange Wurzeln ein und schneiden zu lange Äste stark zurück, damit Ihr Bäumchen gut anwachsen kann. Im ersten Jahr führen Sie einen Erziehungsschnitt durch und legen damit die Kronenform fest.

Am verbreitetsten ist die Pyramidenform mit einem senkrechten Mitteltrieb und einigen waagrechten Seitentrieben. Später führen Sie einmal jährlich den Winterschnitt, entweder im Februar oder März oder den Sommerschnitt nach der Ernte durch. Dadurch bleiben Ihre Obstbäume gesund und Sie erhöhen den Ernteertrag. Bei diesem jährlichen Schnitt schneiden Sie überkreuzende, abgestorbene oder kranke Äste ab. Möchten Sie Ihren Baum veredeln, schneiden Sie zusätzlich alle Wildtriebe unter der Veredelungsstelle ab.

Warum einen Ast abschneiden?

Ein häufiger Grund warum Sie einen Ast abschneiden müssen, liegt daran, dass der Ast in den Nachbargarten wächst und dort nicht willkommen ist. Einen Ast abschneiden müssen Sie aber auch dann, wenn Sie Ihre Bäume zu dicht gepflanzt haben oder die Äste zu viel Schatten verursachen. Einige Obstbäume verlieren an Standfestigkeit, wenn die Krone der Bäume zu schwer wird. Dann müssen sie die oberen Äste abschneiden und Ihren Baum auslichten.

Ast schneiden bei jungen Bäumen

Ist ein Ast abgestorben, müsssen Sie ihn entfernen. Besonders bei jungen Obstbäumen achten Sie darauf, dass keine kranken Äste Ihren ganzen Baum schädigen. Reiben Triebe aneinander, schneiden Sie diese ebenfalls ab. Die Reibung verursacht nämlich Schädigungen. Hat Ihr Baum doppelte Hauptzweige, schneiden Sie diese auch ab. Sehr wichtig ist es, Ihre Bäume nach einem starken Sturm genau zu inspizieren. Hat der Wind einen Ast abgebrochen, kann dieser zu Schädlingsbefall am Baum führen.

Ast schneiden bei verschiedenen Obstsorten

  • Steinobst: Wenn Sie den Ast richtig schneiden möchten, müssen Sie auf die Obstbaumsorte Rücksicht nehmen. Steinobstsorten, wie zum Beispiel Kirsche, Pfirsich und Aprikose schneiden Sie immer nach der Ernte, also im Spätsommer. Sie schneiden die Äste, die Früchte getragen haben, bis zu jener Stelle zurück, an der sich bereits wieder ein neuer Trieb befindet. Pflaumenbäume sind etwas störrisch und möchten nicht geschnitten werden. In der Regel genügt es, wenn sie nur die Krone auslichten.
  • Kernobst: Apfel- und Birnbäume regelmäßig schneiden lohnt sich. Ihre Bäume wachsen besser und sie tragen mehr Früchte. Die Ziele des Schneidens sind verschieden. In den ersten paar Jahren schneiden Sie hauptsächlich, um gleichmäßige, kräftige Äste zu bekommen. Nach einigen Jahren dient der Schnitt der Ausdünnung, damit die Krone den Früchten nicht zu viel Licht wegnimmt. Eine richtige Mimose unter den Obstbäumen ist der Birnbaum. Bei diesem Baum müssen Sie den Ast richtig schneiden, sonst wächst der Baum zu schnell, wird sehr hoch und bildet Wasserschösslinge.

Die Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Ast abschneiden

  • Die Schnitte werden zur eigenen Sicherheit immer vom Körper weg ausgeführt.
  • Der Winterschnitt erfolgt nur an frostfreien Tagen.
  • Entfernen Sie das gesamte alte Holz.
  • Triebe, die zu tief über dem Boden herauskommen, entfernen Sie.
  • Alle großen Äste kürzen Sie um ein Drittel ihrer Gesamtlänge, und zwar bis ungefähr einen Zentimeter vor der letzten äußeren Knospe.
  • Nicht zu stark zurückschneiden, sonst bilden die Bäume im nächsten Jahr zu viele Wassertriebe aus.
  • Ist die Krone des Obstbaumes mit vielen kleinen Ästen und Zweigen überladen, lichten Sie die Krone deutlich aus.
  • Ziel des Schnittes sollte eine schöne, geschlossene Form sein.
  • Ihr Obstbaum sollte rundherum fünf bis sechs klar ersichtliche Hauptäste haben.
  • Ein Rückschnitt ins mehrjährige Holz ist alle zehn Jahre empfehlenswert, auch dann, wenn Sie die Äste regelmäßig schneiden.

Ast versiegeln

Seit Jahrzehnten wurden größere Schnittstellen mit Baumwachs verschlossen, um den Baum nach dem Schnitt vor Krankheiten zu schützen. Plötzlich begannen Experten darüber zu diskutieren, ob das Versiegeln richtig ist und viele Hobbygärtner wurden verunsichert.

Fachleute vertrauen den Selbstheilungskräften der Bäume und betrachten den Wundverschluss sogar als kontraproduktiv, weil der Verschluss den Wettlauf zwischen neuem Wachstum und Zersetzung des zerstörten Gewebes erheblich behindert, ja geradezu Keime und Pilzsporen auffordert, den Baum zu schädigen. Und zwar deshalb, weil Kälte, Sonne und Regen, Risse in der Versiegelung verursachen und diese sind eine willkommene Eintrittspforte für krankmachende Keime.

Das Ast versiegeln sollten Sie aber dennoch nicht aus Ihren Garten vollständig verbannen. Es gibt zwei Gründe, die den Wundverschluss rechtfertigen:

  • Bei oberflächlichen Wunden der Rinde infolge Wildbiss, weil ohne Rinde kommt es zu einer Austrocknung.
  • Beim Winterschnitt, weil sich die Bäume in Saftruhe befinden und kein Kambium, die Wachstumsschicht der Pflanze, bilden, welches die Schnittstelle überziehen würde.

Ast schneiden – diese Werkzeuge für die Baumpflege benötigen Sie

Ast schneiden Gartenschere

Die Gartenschere ist für kleine Äste ideal.

  • Gartenschere
  • Astschere
  • scharfes Messer
  • Bügel- oder Handsäge
  • eventuell eine Kettensäge
  • eine Leiter, die guten Stand bietet

Kleine Äste schneiden Sie mit der Gartenschere. Für größere Äste verwenden Sie die Astschere oder eine Säge. Mit dem Messer glätten Sie die Wundränder der abgeschnittenen Äste und Zweige. Für dicke Äste brauchen Sie die Bügel- oder Handsäge. Mit der Kettensäge geht das Schneiden natürlich einfacher und schneller, gerade bei starken Ästen.

GARTELTIPP: Sie sollten aber die Kettensäge nur dann verwenden, wenn Sie über eine entsprechende Erfahrung im Umgang mit der Kettensäge haben. Achten Sie beim Werkzeug darauf, dass alle Messer sowie Sägen scharf und rostfrei sind. Nur dann ist gewährleistet, dass beim Ast abschneiden verhindert wird, dass die Rinde zu sehr verletzt wird.

Praktische Tipps für Ihre Obstbäume kurz zusammengefasst

  • Frostfreie, bewölkte Tage im Spätwinter sind ideal für den Rückschnitt.
  • Eine gute Gelegenheit, um den Baum auf mögliche Krankheiten zu untersuchen.
  • Nicht jeder Obstbaum ist für jedes Gebiet geeignet.
  • Entscheiden Sie sich für Obstbäume, die sich in unserem mitteleuropäischen Klima wohlfühlen.
  • Sobald die ersten Blüten am Baum sichtbar sind, sollten Sie Ihre Obstbäume regelmäßig auf Schädlinge kontrollieren
  • Bei den ersten Anzeichen eines Schädlingsbefalles verwenden Sie Schädlingsfallen.
  • Manchmal kommt es vor, dass Bäume auch von verheilten Schnittflächen am Stamm austreiben. Entfernen Sie solche Triebe regelmäßig, denn diese entziehen Ihrem Baum unnötig die lebenswichtigen Nährstoffe.

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